Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) zur Nutzung der Software „Care Order“ (ASP Application Service Providing)

1  Geltungsbereich

 

1.1  Diese Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) regeln die Nutzung der von der Care Order GmbH, Porzellangasse 39/5, 1090 Wien, FN 646740p (im Folgenden: „Provider“) bereitgestellten Software und der damit verbundenen Dienste.

 

1.2  Nutzer im Sinne dieser AGB sind ausschließlich Pflegeorganisationen, Ärzte und Ärztinnen sowie deren berechtigte Mitarbeiter (im Folgenden: „Nutzer“). Als berechtigte Mitarbeiter gelten Personen, die in einem Dienst- oder Arbeitsverhältnis zum jeweiligen Nutzer stehen und von diesem ausdrücklich für die Nutzung der Software durch Einrichtung eines personengebundenen Benutzerkontos freigeschaltet wurden. Der Nutzer verpflichtet sich: (a) für jeden Mitarbeiter ein eigenes personengebundenes Benutzerkonto anzulegen; (b) ausgeschiedenen Mitarbeitern den Zugang zu sperren; (c) Mitarbeitern nur die für ihre Tätigkeit erforderlichen Zugriffsrechte einzuräumen (Principle of Least Privilege); (d) sicherzustellen, dass Mitarbeiter auf die Vertraulichkeitspflichten und datenschutzrechtlichen Anforderungen hingewiesen wurden.

 

1.3  Abweichende Bedingungen des Nutzers finden keine Anwendung, es sei denn, der Provider stimmt diesen ausdrücklich schriftlich zu.

 

2.  Vertragsgegenstand

 

2.1  Der Provider erbringt für den Nutzer Dienstleistungen im Bereich Application Service Providing (ASP) über das Internet.

 

2.2  Gegenstand ist:

–  die Überlassung von Software des Providers zur Nutzung über das Internet („Cloud“) sowie

–  die Speicherung und Verarbeitung der Daten des Nutzers („Cloud-Speicher“).

 

2.3  Über die Softwareplattform erhalten Nutzer die Möglichkeit, insbesondere Pflegeverordnungen zu erstellen bzw. zu genehmigen und an Sanitätshäuser zu übermitteln und im Rahmen dieser Funktionalitäten Produkte und Dienstleistungen Dritter zu beziehen.

 

3.  Bereitstellung der Software

 

3.1  Der Provider stellt dem Nutzer für die Dauer der Vertragsbeziehung die Software in der jeweils aktuellen Version unentgeltlich zur Verfügung.

 

3.2  Der Funktionsumfang ergibt sich aus der aktuellen Software-Version und den jeweils bereitgestellten Release Notes.

 

3.3  Der Provider überwacht die Funktionsfähigkeit, beseitigt Fehler und behebt sicherheitsrelevante Schwachstellen nach Maßgabe des Stands der Technik.

 

3.4  Updates und Upgrades erfolgen durch den Provider fortlaufend. Im Cloud-Betrieb stellt der Provider diese automatisch bereit.

 

4.  Nutzungsrechte an der Software

 

4.1  Der Nutzer erhält ein einfaches, nicht übertragbares Recht, die Software während der Vertragslaufzeit bestimmungsgemäß zu nutzen. Die bestimmungsgemäße Nutzung dieser Software liegt primär darin, dass der Nutzer Waren und/oder Dienstleistungen eines Sanitätshauses mittels Verordnungen bzw. Genehmigung derselbigen bezieht.

 

4.2  Eine Vervielfältigung, Bearbeitung oder Weitergabe an Dritte ist untersagt, es sei denn, zwingende gesetzliche Rechte sehen anderes vor.

 

4.3  Die Weitergabe der Software oder von Zugangsdaten an Dritte (außer interne Mitarbeiter) ist ausgeschlossen.

 

4.4  Der Nutzer verpflichtet sich, seine etwaigen Vertragsbeziehungen zu Mitarbeitern, Lieferanten, etc. derart auszugestalten, dass eine vertragswidrige Nutzung der Software ausgeschlossen ist.

 

5.  Speicherung und Nutzung von Daten

 

5.1  Der Provider stellt dem Nutzer Speicherplatz für seine Daten zur Verfügung.

 

5.2  Im Cloud-Betrieb sorgt der Provider für Abrufbarkeit und verschlüsselte Übertragung.

 

5.3  Der Nutzer verpflichtet sich, keine rechtswidrigen Inhalte hochzuladen und keine Rechte Dritter zu verletzen.

 

5.4  Der Provider erstellt laufende Backups aller Nutzerdaten mittels Point-in-Time-Restore Möglichkeit. Backups werden 30 Tage lang aufbewahrt und anschließend automatisch gelöscht. Eine weitergehende eigene Datensicherung bleibt Verantwortung des Nutzers.

5.5  Der Nutzer bleibt Eigentümer seiner Daten. Er kann jederzeit den Export seiner Daten in einem maschinenlesbaren Format verlangen. Ein Anspruch auf Herausgabe der Software selbst besteht nicht.

 

6.  Kundendienst

 

6.1  Supportanfragen sind ausschließlich an support@care-order.at zu richten.

 

6.2  Anfragen werden in angemessener Frist per E-Mail oder telefonisch beantwortet.

 

7.  Verfügbarkeit und Wartung

 

7.1  Erforderliche Wartungsarbeiten, technische Anpassungen oder Störungen können temporär zu Einschränkungen führen.

 

7.2  Bei schwerwiegenden Fehlern sorgt der Provider nach Kenntnisnahme für raschestmögliche Behebung oder stellt eine Zwischenlösung bereit.

 

7.3.  Service Level Agreement (SLA): Der Provider garantiert eine monatliche Systemverfügbarkeit der Kernfunktionen von mindestens 99,0 % (exklusive angekündigter Wartungsfenster und Ereignisse höherer Gewalt). Geplante Wartungsfenster werden im Voraus angekündigt und nach Möglichkeit außerhalb der Kerngeschäftszeiten (Montag–Freitag, 08:00–18:00 Uhr MEZ) durchgeführt.

 

8.  Pflichten des Nutzers

 

8.1  Nutzer müssen Zugangsdaten vertraulich behandeln.

 

8.2  Nutzer sind für Eingabe, Richtigkeit und Sicherheit ihrer Daten selbst verantwortlich.

 

8.3  Vor Nutzung ist auf Virenschutz zu achten.

 

8.4  Es ist untersagt, Inhalte oder Funktionen rechtsmissbräuchlich zu verwenden, den technischen Betrieb zu beeinträchtigen oder automatisiert auszulesen.

 

8.5  Nutzer müssen Störungen unverzüglich melden.

 

8.6  Der Provider erhält ein technisch notwendiges, eng begrenztes, nicht übertragbares und unentgeltliches Nutzungsrecht an den vom Nutzer hochgeladenen Inhalten, ausschließlich soweit dies für die Bereitstellung, den Betrieb und die Wartung der vertragsgegenständlichen ASP-Dienste unbedingt erforderlich ist. Jede Nutzung der Inhalte – insbesondere personenbezogener Daten und Gesundheitsdaten – zu eigenen wirtschaftlichen Zwecken, zu Forschungs- oder Analysezwecken oder zur Weitergabe an Dritte ist dem Provider ausdrücklich untersagt. Der Nutzer behält sämtliche Rechte an seinen Daten und Inhalten.

 

8.7  Zugangsdaten sind personengebunden (Named User) und streng vertraulich zu behandeln. Die Weitergabe von Passwörtern ist untersagt. Der Provider stellt für alle Nutzerkonten eine Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) bereit. Nutzer, die 2FA trotz Verfügbarkeit nicht aktiviert haben, haften für Schäden aus unbefugtem Zugang, die kausal auf das Fehlen der 2FA zurückzuführen sind, sofern diese nicht vom Provider verschuldet wurden. Bei Verdacht auf Missbrauch von Zugangsdaten ist der Provider unverzüglich unter support@care-order.at zu benachrichtigen.

 

9.  Entgelt

 

9.1  Die Nutzung der Software ist unentgeltlich.

 

10.  Gewährleistung und Haftung

 

10.1  Die Software wird dem Nutzer unentgeltlich bereitgestellt. Der Provider übernimmt keine Gewähr für ununterbrochene Verfügbarkeit, Fehlerfreiheit oder die Eignung der Software für einen bestimmten Zweck des Nutzers.

 

10.2  Da die Leistung unentgeltlich erbracht wird, haftet der Provider ausschließlich für Schäden, die auf Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit des Providers oder seiner Erfüllungsgehilfen beruhen. Jede Haftung für leichte Fahrlässigkeit ist – soweit gesetzlich zulässig – vollständig ausgeschlossen.

 

10.3  Die Haftung für grobe Fahrlässigkeit ist auf direkte Sachschäden begrenzt und beträgt maximal EUR 1.000 pro Schadensereignis und EUR 2.000 pro Kalenderjahr. Die Haftung für mittelbare Schäden, Folgeschäden, entgangenen Gewinn und Datenverluste ist – soweit gesetzlich zulässig – auch bei grober Fahrlässigkeit ausgeschlossen.

 

10.4  Die vorstehenden Haftungsbeschränkungen gelten nicht für:

(a) Schäden aus der Verletzung des Lebens, des Körpers oder der Gesundheit;

(b) Produkthaftungsansprüche nach dem Produkthaftungsgesetz (PHG);

(c) arglistig verschwiegene Mängel.

 

10.5  Schäden aus unsachgemäßer Bedienung, ungeeigneter Systemumgebung oder eigenmächtigen Eingriffen des Nutzers sind vom Provider nicht zu ersetzen.

 

10.6  Eine Haftung für durch Dritte oder durch unbefugte Nutzung von Zugangsdaten verursachte Schäden wird ausgeschlossen, es sei denn, diese sind vom Provider verschuldet.

 

11.  Höhere Gewalt

 

11.1  Der Provider haftet nicht für Leistungsausfälle aufgrund höherer Gewalt (z. B. Naturkatastrophen, Kriege, Pandemien, Streiks, Sabotage, behördliche Anordnungen).

 

12.  Laufzeit und Kündigung

 

12.1  Das Vertragsverhältnis läuft unbefristet. Nutzer können jederzeit ohne Frist kündigen, allgemein und insbesondere aus wichtigem Grund.

 

12.2  Der Provider kann mit sofortiger Wirkung kündigen, wenn der Nutzer seine Pflichten erheblich verletzt oder gegen Datenschutz-, Urheber- und Schutzrechte verstößt.

 

13.  Datenschutz und Vertraulichkeit

 

13.1  Der Nutzer ist selbst für die nach den Bestimmungen der DSGVO und des österreichischen Datenschutzgesetzes zur Nutzung der ASP-Dienste allenfalls erforderlichen Einwilligungserklärungen verantwortlich sowie für die Einhaltung des GTelG und insbesondere für die ausschließliche Verarbeitung von Daten innerhalb der zulässigen Rollen gemäß GTelG bzw. GTelV Anlage 1. Der Provider stellt sicher, dass die Software den technischen und datenschutzrechtlichen Anforderungen des GTelG und der einschlägigen Durchführungsverordnungen in der jeweils geltenden Fassung entspricht.

 

13.2  Der Provider setzt technische, organisatorische und personelle Maßnahmen nach dem Stand der Technik zum Schutz personenbezogener Daten ein.

 

13.3  Der Provider setzt ausschließlich die im Auftragsverarbeitungsvertrag (Anhang zu diesen AGB, Anhang 3) aufgeführten Unterauftragsverarbeiter ein. Beabsichtigt der Provider, weitere Unterauftragsverarbeiter hinzuzuziehen oder bestehende auszutauschen, informiert er den Nutzer mindestens 30 Tage im Voraus. Der Nutzer kann innerhalb von 14 Tagen aus datenschutzrechtlichen Gründen schriftlich Einspruch erheben. Kommt keine Einigung zustande, steht dem Nutzer ein außerordentliches Kündigungsrecht zu. Der Provider verpflichtet alle Unterauftragsverarbeiter vertraglich zu denselben Datenschutzpflichten wie in diesem Vertrag festgelegt.

 

13.4  Informationen darüber, wie der Provider im Rahmen seiner eigenen Verantwortlichkeit (z. B. Zugangsdaten, technische Logdaten, Support-Kommunikation) personenbezogene Daten verarbeitet, finden sich in der Datenschutzerklärung des Providers, abrufbar unter https://care-order.at/datenschutz_software/. Diese Datenschutzerklärung ist Bestandteil dieser AGB. Sollte der Provider zur Bestellung eines Datenschutzbeauftragten verpflichtet sein, werden dessen Kontaktdaten an gleicher Stelle veröffentlicht.

 

13.5  Soweit im Rahmen der Nutzung der Software besondere Kategorien personenbezogener Daten nach Art. 9 DSGVO, insbesondere Gesundheitsdaten, verarbeitet werden, trifft der Provider über die allgemeinen technisch-organisatorischen Maßnahmen hinaus folgende zusätzliche Schutzmaßnahmen: (a) Zugriff auf Gesundheitsdaten ausschließlich nach dem Need-to-know-Prinzip; (b) Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aller Gesundheitsdaten; (c) gesonderte revisionssichere Protokollierung aller Zugriffe auf Gesundheitsdaten; (d) besondere schriftliche Vertraulichkeitsverpflichtung für alle Mitarbeiter mit Zugang zu Gesundheitsdaten. Der Nutzer als datenschutzrechtlich Verantwortlicher stellt sicher, dass für die Verarbeitung von Gesundheitsdaten eine Rechtsgrundlage nach Art. 9 Abs. 2 DSGVO vorliegt.

 

14.  Änderungen dieser AGB

 

14.1  Der Provider behält sich das Recht vor, diese AGB mit Wirkung für die Zukunft zu ändern. Änderungen werden dem Nutzer mindestens sechs Wochen vor dem beabsichtigten Inkrafttreten per E-Mail an die hinterlegte Adresse oder durch Hinweis beim nächsten Login mitgeteilt. Die Mitteilung enthält einen ausdrücklichen Hinweis auf das Widerspruchsrecht und die Folgen des Schweigens. Widerspricht der Nutzer nicht innerhalb von vier Wochen nach Zugang der Mitteilung schriftlich, gelten die Änderungen als angenommen. Bei wesentlichen Leistungseinschränkungen oder Verschlechterungen des Datenschutzniveaus steht dem Nutzer unabhängig davon ein außerordentliches Kündigungsrecht zu. Änderungen des Auftragsverarbeitungsvertrags (§ 19 und Anhang) bedürfen stets der ausdrücklichen schriftlichen Zustimmung des Nutzers.

 

15.  Mitteilungen

 

15.1  Mitteilungen erfolgen schriftlich oder per E-Mail. Änderungen von Kontaktdaten sind vom Nutzer unverzüglich mitzuteilen.

 

16.  Salvatorische Klausel

 

16.1  Sollten einzelne Bestimmungen dieser AGB unwirksam sein, bleibt die Wirksamkeit der übrigen unberührt.

 

17.  Anwendbares Recht und Gerichtsstand

 

17.1  Es gilt ausschließlich österreichisches Recht unter Ausschluss des UN-Kaufrechts. Gerichtsstand ist Wien, soweit gesetzlich zulässig.

 

18.  Mediation

 

18.1  Vor Anrufung eines Gerichts bemühen sich die Parteien um Mediation durch eingetragene Wirtschaftsmediatoren. Erst nach deren Scheitern können rechtliche Schritte eingeleitet werden.

 

Diese Mediationspflicht gilt nicht für: (a) die Beantragung einstweiliger Verfügungen oder sonstiger gerichtlicher Eilmaßnahmen; (b) Fälle, in denen Verjährung oder Verfristung droht; (c) Beschwerden bei Aufsichtsbehörden, insbesondere der österreichischen Datenschutzbehörde; (d) Forderungen bis EUR 5.000. Kommt innerhalb von acht Wochen ab schriftlicher Einleitung des Mediationsverfahrens keine Einigung zustande, können die Parteien ohne weitere Wartefrist gerichtliche Schritte einleiten.

 

19.  Auftragsverarbeitung

 

19.1  Soweit der Provider im Rahmen der Erbringung der Leistungen personenbezogene Daten im Auftrag des Nutzers verarbeitet, gilt der als Anhang zu diesen AGB beigefügte Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) gemäß Art. 28 DSGVO. Der AVV tritt automatisch mit Akzeptanz dieser AGB in Kraft; einer gesonderten Unterzeichnung bedarf es nicht, sofern die Parteien nicht ausdrücklich eine solche vereinbaren.

 

19.2  Im Zweifel geht der AVV den datenschutzrechtlichen Regelungen dieser AGB vor, soweit der AVV strengere oder konkretisierende Pflichten enthält.

 

19.3  Der Nutzer ist im Sinne der DSGVO Verantwortlicher für die von ihm in die Software eingespeisten personenbezogenen Daten (insbesondere Gesundheitsdaten aus Pflegeverordnungen). Der Provider ist Auftragsverarbeiter im Sinne von Art. 4 Z 8 DSGVO.

 


 

 

Anhang zu den AGB zur Nutzung der Software „Care Order“

Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV)

gemäß Art. 28 DSGVO

 

 

 

zwischen

 

„Nutzer“„Auftraggeber“ oder „Verantwortlicher“

 

und

 

Care Order GmbH, FN 646740p

Porzellangasse 39/5, 1090 Wien, Österreich

– nachfolgend „Care Order“ oder „Auftragsverarbeiter“

 

gemeinsam die „Parteien“

 

 

 

1.  Präambel und Rollenverständnis

 

1.1  Der Auftraggeber ist Verantwortlicher (Art. 4 Z 7 DSGVO) für die Verarbeitung personenbezogener Daten, einschließlich besonderer Kategorien personenbezogener Daten (Gesundheitsdaten gemäß Art. 9 DSGVO), im Rahmen seiner Tätigkeit (insbesondere im Bereich der Pflege) und der Nutzung der Software „Care Order“.

 

1.2  Care Order erbringt für den Auftraggeber Leistungen im Zusammenhang mit einer Applikation (ASP-Dienste/Cloud-Software und Datenspeicherung) und verarbeitet dabei personenbezogene Daten ausschließlich im Auftrag und nach Weisung des Auftraggebers als Auftragsverarbeiter (Art. 4 Z 8 DSGVO).

 

1.3  Dieser AVV konkretisiert die datenschutzrechtlichen Pflichten aus dem Auftragsverarbeitungsverhältnis gemäß Art. 28 DSGVO und ist Bestandteil der AGB zur Nutzung der Software „Care Order“. Er tritt automatisch mit Akzeptanz der AGB in Kraft.

 

2.  Begriffsbestimmungen

 

Soweit in diesem AVV nicht abweichend geregelt, gelten die Begriffe der DSGVO (insb. personenbezogene Daten, Verarbeitung, Verantwortlicher, Auftragsverarbeiter, Verletzung des Schutzes personenbezogener Daten).

 

3.  Gegenstand, Art, Zweck und Umfang der Verarbeitung

 

3.1  Gegenstand sind die von Care Order für den Auftraggeber zu erbringenden Leistungen gemäß Leistungsbeschreibung in Anhang 1 (nachfolgend „Leistungen“).

 

3.2  Art und Zweck der Verarbeitung, Kategorien betroffener Personen sowie Kategorien personenbezogener Daten ergeben sich aus Anhang 1.

 

3.3  Care Order verarbeitet personenbezogene Daten ausschließlich zur Erbringung der Leistungen und nicht für eigene Zwecke, insbesondere nicht zur Produktentwicklung, Profilbildung, Analyse, Trainingszwecken oder sonstigen Sekundärnutzungen, sofern dies nicht ausdrücklich schriftlich vom Auftraggeber angewiesen wurde.

 

4.  Weisungsbindung

 

4.1  Care Order verarbeitet personenbezogene Daten nur auf dokumentierte Weisung des Auftraggebers. Weisungen können in Textform (z. B. E-Mail), schriftlich oder über ein dokumentiertes Ticket-/Portal-System erteilt werden.

 

4.2  Hält Care Order eine Weisung für rechtswidrig oder datenschutzrechtlich bedenklich, informiert Care Order den Auftraggeber unverzüglich und setzt die Weisung bis zur Klärung aus, soweit dies rechtlich zulässig ist.

 

4.3  Care Order stellt sicher, dass die zur Verarbeitung befugten Personen ausschließlich nach den Weisungen des Auftraggebers handeln.

 

5.  Vertraulichkeit

 

5.1  Care Order verpflichtet alle zur Verarbeitung befugten Personen zur Vertraulichkeit oder stellt sicher, dass diese einer gesetzlichen Verschwiegenheitspflicht unterliegen.

 

5.2  Zugriffe erfolgen nach dem Need-to-know-Prinzip; Care Order sorgt für geeignete Zugriffskontrollen und Berechtigungsmanagement.

 

6.  Technische und organisatorische Maßnahmen (TOMs)

 

6.1  Care Order implementiert und unterhält die in Anhang 2 beschriebenen TOMs und gewährleistet ein dem Risiko angemessenes Sicherheitsniveau gemäß Art. 32 DSGVO.

 

6.2  Care Order dokumentiert wesentliche Änderungen der TOMs; Änderungen, die das Sicherheitsniveau wesentlich beeinflussen können, teilt Care Order dem Auftraggeber vorab mit.

 

7.  Unterstützungspflichten des Auftragsverarbeiters

 

Care Order unterstützt den Auftraggeber in angemessenem Umfang dabei, seine datenschutzrechtlichen Pflichten zu erfüllen, insbesondere bei:

 

7.1  Betroffenenrechten (Auskunft, Berichtigung, Löschung, Einschränkung, Datenübertragbarkeit, Widerspruch), soweit dies die Sphäre von Care Order betrifft;

 

7.2  Datenschutz-Folgenabschätzung und Konsultationen mit Aufsichtsbehörden, soweit für die von Care Order erbrachten Leistungen erforderlich;

 

7.3  Nachweisen (z. B. TOM-Dokumentation, Auditberichte, Zertifizierungen), soweit vorhanden und zumutbar.

 

8.  Meldung von Datenschutzverletzungen

 

8.1  Care Order meldet dem Auftraggeber jede Verletzung des Schutzes personenbezogener Daten unverzüglich, spätestens innerhalb von 24 Stunden ab Bekanntwerden.

 

8.2  Die Meldung enthält – soweit verfügbar – mindestens: Art des Vorfalls, betroffene Systeme/Datenkategorien, ungefährer Umfang, wahrscheinliche Folgen, bereits ergriffene bzw. vorgeschlagene Abhilfemaßnahmen und eine Kontaktstelle.

 

8.3  Care Order unterstützt den Auftraggeber bei der Aufklärung, Eindämmung und Dokumentation des Vorfalls.

 

9.  Löschung und Rückgabe

 

9.1  Nach Beendigung der Leistungen oder auf Weisung des Auftraggebers löscht oder gibt Care Order – nach Wahl des Auftraggebers – alle personenbezogenen Daten (inkl. Kopien) zurück bzw. löscht diese, sofern keine gesetzliche Aufbewahrungspflicht entgegensteht.

 

9.2  Bestehen gesetzliche Aufbewahrungspflichten, sperrt Care Order die Daten und verarbeitet sie nur soweit zwingend erforderlich.

 

9.3  Care Order bestätigt die Löschung/Rückgabe in Textform auf Anfrage des Auftraggebers.

 

10.  Nachweisführung, Audit und Kontrolle

 

10.1  Care Order stellt dem Auftraggeber Informationen zur Verfügung, die erforderlich sind, um die Einhaltung dieses AVV nachzuweisen, inkl. Dokumentation der Nutzer-Zustimmung (Zeitpunkt, User).

 

11.  Einsatz von Unterauftragsverarbeitern

 

11.1  Care Order darf Unterauftragsverarbeiter nur einsetzen, wenn (i) diese verlässlich ausgewählt werden, (ii) vertraglich mindestens gleichwertige Pflichten wie in diesem AVV auferlegt werden und (iii) der Auftraggeber gemäß den nachstehenden Regeln zugestimmt hat.

 

11.2  Genehmigung: Der Auftraggeber erteilt Care Order eine allgemeine Vorab-Genehmigung zum Einsatz der in Anhang 3 aufgeführten Unterauftragsverarbeiter.

 

11.3  Änderungen: Care Order informiert den Auftraggeber über jede beabsichtigte Hinzunahme, Ersetzung oder sonstige Änderung der Unterauftragsverarbeiter-Liste mindestens 30 Kalendertage vor Wirksamwerden in Textform.

 

11.4  Widerspruch: Der Auftraggeber kann innerhalb dieser Frist aus wichtigem datenschutzrechtlichem Grund widersprechen (z. B. Sicherheitsbedenken, Drittlandrisiko, fehlende Garantien). In diesem Fall wird Care Order den betreffenden Unterauftragsverarbeiter für den Auftraggeber nicht einsetzen und – soweit möglich – eine zumutbare Alternative anbieten. Ist keine Alternative möglich, sind die Parteien verpflichtet, eine sachgerechte Lösung zu vereinbaren; weitergehende Rechte aus dem Hauptvertrag bleiben unberührt.

 

12.  Drittlandverarbeitung / internationale Übermittlungen

 

12.1  Eine Verarbeitung oder ein Zugriff aus einem Staat außerhalb des EWR („Drittland“) ist nur zulässig, wenn die Voraussetzungen der DSGVO für internationale Übermittlungen eingehalten werden und der Auftraggeber vorab informiert wurde.

 

12.2  Sofern Unterauftragsverarbeiter (insb. globale Cloud-Anbieter) Drittlandzugriffe nicht gänzlich ausschließen, stellt Care Order sicher, dass geeignete Garantien bestehen (z. B. EU-Standardvertragsklauseln, zusätzliche technische/organisatorische Maßnahmen) und stellt dem Auftraggeber entsprechende Nachweise auf Anfrage zur Verfügung.

 

13.  Vertragsbeziehung / Vorrang

 

13.1  Dieser AVV gilt als Datenschutz-Anlage zu den AGB zur Nutzung der Software „Care Order“ (Hauptvertrag).

 

13.2  Im Zweifel geht dieser AVV den datenschutzrechtlichen Regelungen des Hauptvertrags vor, soweit der AVV strengere oder konkretisierende Pflichten enthält.

 

14.  Haftung

 

14.1  Die Haftung richtet sich nach dem Hauptvertrag (AGB § 10); im Übrigen nach den gesetzlichen Bestimmungen, insbesondere Art. 82 DSGVO.

 

14.2  Care Order haftet dem Auftraggeber gegenüber für Verstöße gegen diesen AVV.

 

15.  Ansprechpartner

 

15.1  Datenschutz-/Sicherheitskontaktstellen: siehe https://care-order.at/datenschutz_software/.

 

16.  Schlussbestimmungen

 

16.1  Änderungen und Ergänzungen dieses AVV bedürfen der Textform (z. B. E-Mail), soweit nicht zwingendes Recht Schriftform verlangt.

 

16.2  Sollten einzelne Bestimmungen unwirksam sein, bleibt die Wirksamkeit der übrigen Bestimmungen unberührt; die Parteien ersetzen die unwirksame Bestimmung durch eine wirksame, die dem wirtschaftlichen Zweck am nächsten kommt.

 

16.3  Es gilt österreichisches Recht. Gerichtsstand ist – soweit zulässig – Wien.

 

 

 

Anhang 1 – Beschreibung der Verarbeitung (Leistungsbeschreibung / Processing Details)

 

1.  Leistungen (ASP-Dienste)

1.1  Care Order erbringt für den Auftraggeber mit der entwickelten Applikation ASP-Dienstleistungen über das Internet im Bereich der Pflege. Nutzer der Plattform ist einerseits der Auftraggeber (als Kunde) und andererseits ein Sanitätshaus, welches seine Waren und Dienstleistungen dem Auftraggeber anbietet.

1.2  Gegenstand ist:

1.2.1  die Überlassung von Software zur Nutzung über das Internet (Cloud), und

1.2.2  die Speicherung von Daten des Kunden (Cloud).

Der Auftraggeber erhält über die Software die Möglichkeit, Produkte eines Sanitätshauses über die Plattform zu beziehen, indem Pflegeverordnungen an ein Sanitätshaus versendet werden.

 

2.  Art der Verarbeitung

Speicherung, Bereitstellung, Anzeige/Verarbeitung innerhalb der Applikation, Protokollierung (Logfiles), Sicherung/Backup, Wiederherstellung, technische Wartung/Fehlerbehebung im vereinbarten Umfang.

 

3.  Zweck der Verarbeitung

Erbringung und Betrieb der ASP-Dienste inkl. Datenspeicherung und plattformbezogener Funktionen zur Abwicklung von Pflegeverordnungen und Bestellprozessen.

 

4.  Kategorien betroffener Personen

Je nach Einsatz: (i) Patienten/Betroffene, (ii) Nutzer beim Auftraggeber, (iii) Nutzer beim Sanitätshaus/assoziierten Unternehmen, (iv) ggf. Angehörige/Bevollmächtigte, (v) Administrations-/Supportnutzer.

 

5.  Kategorien personenbezogener Daten

–  Stammdaten (z. B. Name, Adresse, Kontaktdaten, Kundennummern)

–  Kommunikations-/Transaktionsdaten (z. B. Bestell- und Versanddaten, Plattforminteraktionen)

–  Gesundheitsdaten (besondere Kategorie gem. Art. 9 DSGVO), insbesondere Inhalte/Angaben aus Pflegeverordnungen und damit zusammenhängende Informationen

–  Nutzungs-/Protokolldaten (z. B. Logins, Zeitstempel, Geräte-/IP-Daten soweit eingesetzt)

–  Dokumente/Anhänge (z. B. Verordnungsdokumente)

 

6.  Verarbeitungsorte

Primär innerhalb des EWR, soweit nicht in Anhang 3 oder § 12 anders geregelt.

 

 

 

Anhang 2 – Technische und organisatorische Maßnahmen (TOMs) – Mindeststandard

 

a)  Zugriffsschutz: rollenbasierte Berechtigungen (Least-Privilege), starke Authentifizierung (mindestens MFA für Administrationszugänge), regelmäßige Rezertifizierung von Berechtigungen;

b)  Verschlüsselung: Transportverschlüsselung (TLS) sowie Verschlüsselung ruhender Daten; Schlüsselmanagement nach anerkannten Standards;

c)  Protokollierung/Monitoring: revisionssichere Protokollierung sicherheitsrelevanter Zugriffe und Administrationshandlungen, Erkennung unbefugter Zugriffe, Incident-Response-Prozess;

d)  Integrität: Mechanismen zur Eingabe- und Änderungskontrolle, Schutz vor unbefugter Veränderung;

e)  Verfügbarkeit/Resilienz: Backup- und Wiederherstellungskonzept, Notfall- und Wiederanlaufplanung, Restore-Tests

f)  Trennung: Mandantentrennung (Datenhaltung in mehrmandantenfähiger Datenbank; Zugriffskontrolle über striktes Berechtigungskonzept auf Basis des Klienten, dem Pflegeorganisation/Standort technisch zwingend zugeordnet sind); Trennung von Umgebungen (Produktiv/Test/Entwicklung) und Datenminimierung im Support;

g)  Secure Development/Change Management: geregelte Deployment-/Patch-Prozesse, Schwachstellenmanagement;

h)  Belastbarkeit: Die genutzte Microsoft Azure-Infrastruktur erfüllt gängige Sicherheitsstandards (u. a. ISO 27001, ISO 27701). Die Datenspeicherung erfolgt in den Rechenzentren Frankfurt (Deutschland) und Dublin (Irland).

 

 

 

Anhang 3 – Liste der Unterauftragsverarbeiter von Care Order

 

1.  Microsoft Ireland Operations Ltd.

One Microsoft Place, South County Business Park, Leopardstown, Dublin 18, Irland

Rolle/Leistung: Cloud-Infrastruktur/Hosting/Plattformdienste (je nach konkret eingesetztem Microsoft-Service)

Vertragsgrundlage: Verarbeitung auf Grundlage des „Microsoft Data Protection Addendum“ (DPA)